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Bundesarbeitsminister Hubertus Heil stand der Scholl&Rauch und vielen anderen Jungjournalisten in Berlin Rede und Antwort | Quelle: Lena Giovanazzi

Hubertus und die Arbeit

Erneut ist die Scholl&Rauch in Berlin dieses Mal befragen wir den Bundesarbeitsminister. - 19 Dezember 2019

Die Bremsen des Zugs quietschen, die Türen zischen und öffnen sich. Hinter diesen Türen liegen die Hektik und der Trubel der Hauptstadt; Unsere Redaktion ist mittendrin. Durch die kalte Berliner Morgenluft hetzen wir durch die Straßen der Spreemetropole, rein in die Wärme des Gebäudes. Dieses Gebäude ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Scholl&Rauch ist eingeladen. Wieder einmal nimmt unserer Schülerzeitung am Jugendpressetag teil. Das heutige Highlight: eine Pressekonferenz mit Bundesminister Hubertus Heil. Ca. 50 junge Journalistinnen und Journalisten haben die Möglichkeit, dem Minister für Arbeit und Sozial jegliche Frage über Politik, seine Meinung und seine Person zu stellen. Hier ist eine kleine

Zusammenfassung:
Scholl&Rauch: Hallo Herr Minister, wir würden direkt mit einer Frage zu Ihrer Politik einsteigen: Was halten Sie vom Klimapaket der Bundesregierung?

Hubertus Heil: Ich finde, das Klimapaket ist nicht so schlecht, wie es dargestellt wird. Häufig wird Kritik nur an der Höhe des CO2-Preises geäußert, was ich schade finde. Klar ist diese Maßnahme wichtig, aber das Paket beinhaltet noch viel mehr. Ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder die Förderung der energetischen Bebauung sind vielleicht nicht so „sexy“, aber sie sind wichtig. Außerdem muss so ein CO2-Preis auch für die Ärmeren bezahlbar bleiben, damit diese auch die Chance haben, irgendwann nachhaltiger zu leben.

S&R: Oft wird der Großen Koalition vorgeworfen, die junge Generation käme im Vergleich zu den Älteren viel zu kurz. Stimmt das?

Heil: Ich finde es falsch, die Generationen gegeneinander auszuspielen. Benachteiligungen entstehen auch durch soziale Unterschiede, die auch innerhalb der Altersschichten vorhanden sind. Wo ich Ihnen allerdings Recht gebe, ist, dass zum Beispiel in den letzten Jahren zu wenig Geld für Bildung ausgegeben wurde; der Digitalpakt des Bildungsministeriums hat da etwas abgeholfen. Auch müssen wir es schaffen, Ihrer Generation eine gute Infrastruktur zu vererben. Alles in allem lasse ich es nicht gelten, wenn behauptet wird, die junge Generation erbt das schlechteste Land der Welt.

S&R: Sie haben vom „Digipakt“ gesprochen. Viele meinen, die Förderungen des Bundes, fünf Milliarden Euro, seien nicht genug.

Heil: Zum Digitalpakt sind diese fünf Milliarden Euro nicht genug. Es geht schließlich nicht nur um Hardware; auch müssen die Lehrer geschult werden und digitale Lernkonzepte entwickelt werden. Allerdings ist dieser Digitalpakt eine Allianz zwischen Bund, Ländern und Kommunen, die natürlich auch etwas hinzu tun.

S&R: Immer mehr junge Leute hegen den Berufswunsch „Influencer“. Wie stehen Sie dazu?

Heil: Ich kann Sie beruhigen: das ist nichts Neues. Zu meiner Zeit waren es allerdings noch der Superstar oder der Fußballprofi. Junge Menschen suchen sich schon ganz früh Rollenbilder. Und wenn man so sieht, wie populär Influencer sind und wie viel Geld sie machen: wer will das nicht? Allerdings muss auch gesagt sein: eine Welt nur aus Influencern funktioniert nicht.

S&R: In der Vergangenheit haben Sie sich oft gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) ausgesprochen. Warum?

Heil: Ich muss zugeben, in meinen jungen Jahren habe ich auch an so eine Idee geglaubt. Es gab ein Buch, „Wege ins Paradies“ hieß es, dort wird eine Menschheit beschrieben, die von Arbeit befreit ist und nur in Muße lebt, eine tolle Vision. Allerdings habe ich nach der Wiedervereinigung im Osten ein anderes Bild gesehen: bodenlose Arbeitslosigkeit. Für viele ist Arbeit mehr als Brotverdienst, es ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Ein Gegenentwurf zum BGE wäre die Arbeitssicherung, welche Chancen auf Weiterbildung und ein Recht auf Freizeit festlegt. Im Weiteren entsteht die Idee des BGE aus der Angst, die Arbeit ginge uns durch Digitalisierung und Automatisierung aus. Der Meinung bin ich nicht. Auch muss das BGE, egal wie hoch es ist, worüber man sich ja auch nicht einig ist, schlussendlich von jemandem bezahlt werden, der arbeitet.

S&R: Wie wollen Sie den Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen beseitigen?

Heil: Dieser Gehaltsunterschied ist natürlich ein Riesenproblem. Zum Teil entsteht diese Lücke durch Diskriminierung am Arbeitsplatz. Das ist natürlich illegal und wird auch verfolgt. Zum Großteil aber entsteht der Unterschied durch Aufteilung von Berufen in Geschlechterrollen. Soziale Berufe zum Beispiel, wie Pfleger oder Erzieher, werden viel häufiger von Frauen gewählt. Man sagt, an Grundschulen gibt es zwei Männer, den Hausmeister und den Schulleiter. Eine Lösung wäre es, diese Berufe besser zu bezahlen und letztendlich die Geschlechterklischees zu brechen.

S&R: Wie kann man den Frauen helfen, die doch am Arbeitsplatz, eventuell auch wegen Schwangerschaften diskriminiert werden?

Heil: Für diesen besonderen Fall gibt es natürlich so etwas wie Elternzeit, in der man das Kind partnerschaftlich betreuen kann. Auch fällt auf, dass Arbeitsplätze mit einer starken Mitarbeitervertretung oder Gewerkschaft Frauen viel fairer behandeln.

S&R: Viele Jugendliche engagieren sich gerne politisch, selten aber in Parteien. Warum denken Sie ist das so?

Heil: Erst einmal will gesagt sein, dass sich viele junge Leute in Parteien engagieren. Das ist auch wichtig so, denn ohne sie fehlt es den Parteien an einer Perspektive für die Zukunft, die junge Leute mit einbringen können. Ich denke, die Parteien, auch meine Partei, die SPD, müssen weniger verschnarcht auftreten, einmal durchlüften und neue Ideen zulassen. Und falls Sie überlegen in eine demokratische Partei einzutreten, machen Sie es einfach, es sieht ja keiner.

S&R: Zu guter Letzt noch eine Frage an Sie persönlich: Wenn Sie kein Politiker wären, was wären Sie geworden?

Heil: Vieles, über die Zeit. Mit fünf wollte ich unbedingt Ritter werden. Da es diesen Ausbildungsberuf leider nicht mehr gibt, wollte ich Journalist werden. Deshalb habe ich auch Politikwissenschaft studiert. Wenn ich nun kein Minister mehr bin, muss ich mir wohl einen neuen Job suchen; in der Entwicklungshilfe könnte ich mir das vorstellen. Doch vorerst will ich noch ein wenig weiter machen.

S&R: Vielen Dank für Ihre Zeit und die tollen Antworten.

Heil: Ich bedanke mich auch.

Autor: Tom Schneider