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Wir sind hier, wir sind laut!

Über 170.000 junge Europäer und Europäerinnen protestierten am Samstag gegen den umstrittenen "Artikel 13". Zu Recht, da sich besonders die Gegenseite, zu diesem Thema, nicht geschickt angestellt hat. Allein in Dortmund gingen 3.500 Menschen auf die Straße - mit Schildern, Fahnen und Parolen - 26 März 2019

„Stoppt die Zensur!“, „Nie wieder CDU!“ und „Wir sind keine Bots!“ rufen sie und laufen durch die Straßen. Mit selbst gebastelten Schildern, Fahnen und Parolen demonstrieren sie zu Tausenden in Europas Städten - 3.500 in Dortmund, 40.000 in Berlin und über 170.000 in der ganzen EU. Und immer wieder brüllt die Menge: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Freiheit klaut!“

Man muss in den letzten Wochen nicht mal mehr einen Schritt ins Internet gewagt haben, um den nicht-endende Shitstorm über Artikel 13 zu bemerken. Obwohl diese Diskussion schon seit letztem Jahr andauert, scheint sie stärker den ja geführt zu werden, nun auch auf den Straßen. Proteste fanden statt, Quasi im Stundentakt erreichen uns neue Post, Videos und Kommentare zu diesem Thema.

Besonders die Seite der Artikel 13- Befürworter hat der Situation in letzter Zeit nicht gerade geholfen. Immer wieder posteten diese Aussagen, die gewaltige Shitstorms hinter sich her zogen. Nicht selten werden Gegner des umstrittenen Artikel als unwissend oder gar gekauft bezeichnet.

Dazu ein Tweet von CDU-Europaabgeordnetem Sven Schulze, welcher verständlicherweise für einen gigantischen Shitstorm sorgte:

Ein weiteres Beispiel kommt von der Europäischen Volkspartei, die konservative Fraktion in EU-Parlament. Diese wollte die Abstimmung um die Urheberrechtsreform um zwei Wochen vor verschieben. Das klingt erst mal nach keinem großen Problem, wären da nicht die Proteste gegen Artikel 13, welche bei geglückter Verschiebung der Abstimmung dahinter liegen würden. So wurde angeblich versucht die Gegner der Urheberrechtsreform zu „umgehen“.

Auch auf den Demos wurden diese Tatsachen nicht auf die leichte Schulter genommen. Besonders gegen die CDU wurde gewettert. „Nie wieder CDU!“, heißt es nun nicht mehr nur online. Nach dem wie die Politiker in den letzten Monaten mit Kritik gegen Artikel 13 umgegangen sind ist dies auch nicht verwunderlich.

Sogar nach dem Demos scheinen die Befürworter des Artikel 13 nichts gelernt zu haben. Schon zwei Stunden bevor die Demos am Samstag begonnen haben veröffentlichte die Bild einen Artikel in dem der Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Daniel Caspary, den Demonstranten vorwirft gekauft zu sein. Wörtlich sagt er:

„Nun wird offensichtlich versucht, auch mit gekauften Demonstranten die Verabschiedung des Urheberrechts zu verhindern. Bis zu 450 Euro werden […] für die Demoteilnahme geboten.Das Geld scheint zumindest teilweise von großen amerikanischen Internetkonzernen zu stammen.“
Auch solche Aussagen helfen den Verantwortlichen nicht, ihre Urheberrechtsreform zu verteidigen.

Heute, am 26.03, wird in Straßburg abgestimmt. Getan werden kann jetzt nicht mehr viel, aber dennoch gibt es Hoffnung, dass Artikel 13 bald der Vergangenheit angehört. Sonst heißt es bald auf den Straßen Europas: „Wir sind hier, wir sind laut, ihr habt uns die Freiheit geklaut.

Autor: Tom Schneider